Der
Forum-Gast
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Ein
ETH-Institut für Nanobiotechnologie
Die
Rolle der Universität Ein
entscheidend wichtiger Erfolgsfaktor wird in diesem Artikel nicht
angesprochen, nämlich die Rolle der Universität. Hier besteht sowohl
Handlungsbedarf wie auch Handlungsmöglichkeiten. Es sei auf die bekannten
Gründe hingewiesen, die Novartis bewogen haben, in Boston ein grosses
Forschungszentrum aufzubauen. In welcher Richtung die Anstrengungen gehen
müssten, lässt sich aus folgender Aussage eines Vertreters von Novartis
ableiten: Die Forscher in und um Boston sind nicht besser als die hiesigen,
sie sind nur viel zahlreicher. Die Antwort von Basel auf die Herausforderung
Boston muss deshalb von der Universität Basel kommen. Höchste Priorität zu
legen ist einerseits auf Exzellenz in den naturwissenschaftlichen Fächern und
andererseits auf den Aufbau einer Kultur der interdisziplinären
Zusammenarbeit, die auch die Kooperation mit Forschern der Industrie umfassen
muss. In der Forschung ersetzt Masse nicht Klasse, und eine Organisation
überschaubarer Grösse wie die Basler Universität bietet für interdisziplinäre
Zusammenarbeit ideale Voraussetzungen. Weltweit
hohes Ansehen Eine
Chance, in dieser Richtung einen grossen Schritt vorwärts zu machen, liegt in
der Initiative für ein ETH-Institut in Basel insbesondere dann, wenn als
Fachthema für diese Institution die Nanobiotechnologie gewählt wird (siehe
den Artikel von Thomas Müller in der BaZ Nr. 2). Ein Nukleus dazu wäre
bereits vorhanden, ist es doch Professor Güntherodt gelungen, in Basel ein
«Center of Excellence» in Nanotechnologie aufzubauen, das in diesem Fach
weltweit hohes Ansehen geniesst und das in der «Champions League» der
Nanowissenschaften ganz vorne mitspielt. Diese Gruppe hat Forschungsmittel
des Bundes nach Basel geholt, sie arbeitet gut sowohl mit anderen Instituten
in Basel, der Schweiz und dem Ausland zusammen, sie hat auch keinerlei
Berührungsängste gegenüber der Fachhochschule in Muttenz und auch nicht
gegenüber Forschern der Industrie und sie hat auch schon erfolgreich
«Spin-offs» Richtung Instrumentenbau lanciert. Entscheidende
Impulse auf Von der
Nanobiotechnologie werden entscheidende Impulse besonders auf die
Life-Sciences erwartet, zeichnet sich doch die Möglichkeit ab, auf
molekularem Level, Atom für Atom, grössere Strukturen aufzubauen, die
fundamental neue Eigenschaften und Funktionen aufweisen werden. Weitere
Einsatzgebiete mit hohem Potenzial für die Nanobiotechnologie sind
beispielsweise auch die Medizintechnik oder auch die Diagnostik. Wegen dieser
Aussichten stellt die Regierung der USA für das Jahr 2003 über eine Milliarde
Franken für ihre «National Nanotechnology Initiative» (NNI) zur Verfügung! Diese
Mittel fliessen teils direkt in Forschungsprojekte, teilweise werden sie aber
auch für den Aufbau eines Netzwerkes eingesetzt. Die Nanobiotechnologie ist
eine typische Querschnittstechnologie und spielt als solche in
unterschiedlichsten Gebieten eine zunehmend wichtige Rolle. Sie ist deswegen
besonders geeignet, den Aufbau von Netzwerken zu katalysieren. Gerade
Forschungsprojekte in den Life-Sciences haben wegen ihrer oft sehr grossen
Komplexität nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn Spezialisten unterschiedlichster
Fachrichtungen eng zusammenarbeiten. Neues
Institut in einem Ausgehend
von diesem besonderen Potenzial für den Aufbau von Netzwerken könnte sich
eine neue Sicht auf ein Basler ETH-Institut für Nanobiotechnologie eröffnen,
nämlich die Vision des zentralen Knotens in einem Biotechnologie-Netzwerk,
physisch lokalisiert als neues Institut in einem Wissenscampus im Geviert
Spitalstrasse, Hebelstrasse, Klingelbergstrasse und St.-Johanns-Ring. Hier
finden sich in unmittelbarer Nachbarschaft das Biozentrum, das Pharmazentrum,
die Institute für Chemie und Physik sowie die Universitätskliniken. Räumliche
Reserven für ein Institut für Nanobiotechnologie wären in diesem Areal mit
dem alten Frauenspital und dem «Schällemätteli»-Gefängnis ausreichend
vorhanden. Basler Stararchitekten könnten in ihre Konzeptionen für einen
zentralen Neubau in einem Wissenscampus auch die breite Pestalozzistrasse
einbeziehen, da diese verkehrstechnisch nicht unbedingt benötigt wird. Wer zu
spät kommt, den bestraft das Leben... Mit
Blick auf den im St. Johann entstehenden Wissenscampus von Novartis kann
diese Vision zu einer bipolaren Achse erweitert werden, an deren einen Pol
die Wissenschaftler der Universität Grundlagen schaffen und Kenntnisse
gewinnen. Sie arbeiten im Netzwerk zusammen mit den am anderen Pol tätigen
Forschern der Industrie. Für die Realisierung dieser Vision, die im Gegensatz
zu anderen, früheren visionären Modellen für mögliche Entwicklungen unserer
Region, wie beispielsweise die Medienstadt oder die Umweltstadt, auf
vorhandenen Stärken aufbauen könnte, ist ein grosser Einsatz der Politiker
und der Universität notwendig. Insbesondere wären auch unsere Partner im
Nachbarkanton gefordert. Dieser Einsatz darf sich jedoch nicht in einem Gerangel
um zusätzliche Finanzen oder um die freundliche Übergabe einiger Basler
Forschungsgruppen an die ETH erschöpfen, eine Gefahr, die Thomas Müller in
seinem BaZ-Artikel bereits beschrieben hat. * Richard Peter-Probst, Dr. phil. II., geb. 1938,
arbeitete bis 1988 in der Basler Chemie, war von 1988 bis 1993 als erster
Basler Wirtschaftsförderer tätig und ist heute Mitglied verschiedener
Verwaltungsräte. |
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